From the magazine SZS 3/2019 | S. 115-124 The following page is 115

Wie viel Beweis für welchen Schaden?

Résumé

Le présent article met l’accent sur le degré de la preuve en cas de lésions corporelles. Comment est-il défini? Sur quoi doit-il se baser? L’appréciation des preuves implique une discussion des éléments médicaux pertinents de la pathogénèse. Le choix de la voie à suivre pour convaincre le juge dépend de la justification des éléments de preuve, c’est pourquoi les questions doivent être fondées sur des preuves évidentes. Après la procédure de preuves il est trop tard. Cet article examine également l’une des plus grandes erreurs dans l’évaluation de la causalité naturelle du point de vue du droit médical.

Zusammenfassung

Im Fokus dieses Beitrages steht das Beweismass bei Körperschäden. Wie ist dieses definiert? Wonach hat es sich zu richten? Die Beweiswürdigung bedingt eine Auseinandersetzung mit den relevanten medizinischen Teilen der Pathogenese. Die Weichenstellung für die richterliche Überzeugung wird mit der Substanziierung der Beweissätze gesetzt, weshalb auf eine evidenzbasierte Fragestellung geachtet werden muss. Nach dem Beweisverfahren ist es zu spät. Medico-legal beleuchtet wird auch einer der grössten Irrtümer bei der Würdigung der natürlichen Kausalität.

I. Kausalität aus Sicht der Juristen

In der Rechtswissenschaft wird zwischen dem natürlichen und dem adäquaten Kausalzusammenhang unterschieden. Ein Ereignis hat sowohl natürlich als auch adäquat kausal zum eingetretenen Schaden zu sein, damit (Dauer-)Leistungen ausgelöst werden. Im Unfallversicherungs- und Haftpflichtrecht geht es bei der Frage des Kausalzusammenhangs um die Beziehung zwischen dem schädigenden Ereignis und dem Schaden, dem sogenannten «Erfolg». Allerdings unterscheidet sich der Kausalitätsbegriff je nach Fachgebiet, z.B. im Vergleich Sozialversicherungsrecht und ausservertragliches Haftpflichtrecht,1 bereits innerhalb der Jurisprudenz. Bei Ersterem ist, im Gegensatz zu Letzterem, von einem Kausalitätsbegriff auszugehen, der massgeblich auf die Schwere des Unfalls abstellt. Diese Unterteilung ist im Deliktsrecht nach OR 41 ff. nicht erforderlich, im Sozialversicherungsrecht aber von entscheidender Bedeutung für die Anspruchsberechtigung bei Dauerleistungen.

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