From the magazine SZS 6/2018 | S. 644-662 The following page is 644

Unerhört uneinheitliche Rechtsprechung zum Erwerbseinkommensbegriff im Steuerrecht und im AHV-Recht

Aufgezeigt anhand von Urteilen zu gewerbsmässigem Handel, Liebhaberei und Personengesellschaften

Résumé

L’utilisation de la notion de revenu provenant d’une activité lucrative est très différente en droit fiscal et en droit de l’AVS. Selon l’auteur de la présente contribution, ces divergences ont atteint le point où elles ne sont plus compatibles avec les principes d’un Etat de droit. La jurisprudence doit être fondée sur des principes systématiques et doit à nouveau s’engager plus fermement en faveur de l’idée d’un système juridique uniforme. En particulier, le traitement de la notion de revenu, qui se fonde sur des aspects individuels, doit être abandonné, car c’est là l’origine des différences qui ne peuvent être objectivement justifiées.

I. Einleitung

A. Die uneinheitliche Rechtsprechung zum Erwerbseinkommensbegriff und ihre Ursachen

Die Witwe eines Architekten veräussert eine von ihrem verstorbenen Ehemann ererbte Liegenschaft und erzielt einen Gewinn. Die Frage: abgabepflichtiges Erwerbseinkommen oder abgabefreier Kapitalgewinn auf Privatvermögen? Zweimal hatte das Bundesgericht darüber zu urteilen, zuerst im steuerrechtlichen1, danach im AHV-rechtlichen2 Verfahren. Bei den Steuern qualifizierte es den Gewinn als abgabepflichtiges Einkommen aus selbständiger Erwerbstätigkeit. AHV-rechtlich beurteilte das Bundesgericht den Veräusserungsgewinn hingegen als abgabefreien Kapitalgewinn auf Privatvermögen.

Dass derselbe Sachverhalt von derselben Gerichtsbehörde in zwei verwaltungsrechtlichen Rechtsgebieten gegensätzlich beurteilt wird, irritiert nicht nur den Laien. Der dargelegte Fall ist dabei nur ein Beispiel von vielen. Widersprüchliche Urteile im Steuer- und AHV-Recht zu demselben Sachverhalt kommen seit geraumer…

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